Mittwoch, 11. Dezember 2013

Odd Thomas (2013)


Lange Zeit habe ich auf eine filmische Umsetzung des grandiosen Buches "Die Anbetung" von Dean Koontz gewartet. Sicherlich auch mit einiger Skepsis. War das Buch an atmosphärischer Geschlossenheit und der tollen Möglichkeiten des eigenen Verstandes kaum zu überbieten, so muss man sich auf der Leinwand natürlich der Erzähl- und Sichtweise des Regisseurs anpassen. Selbstverständlich ist das bei Buchverfilmugen immer so, doch daß ein Regisseur dem Leser sehr nah sein kann, hat Peter Jackson bewiesen.

Nun hat man also Stephen Sommers mit dem Stoff betraut. Au weia! Sommers hat in meinen Augen nur einen brauchbaren Streifen kreiert, und jener ist der Monster-Actioner "Octalus". Der war zwar dämlich, hat aber Spass gemacht. Ganz im Gegenteil zu seinen trashigen "Mumien" Streifen mit dem scheuslich-nervenden Brendan Fraser. Dieser Mann soll nun also ein Buch verfilmen, das ich sehr sehr gerne mag. Abenteuerliche Vorstellung.

Die Darsteller, allen voran Anton Yelchin (Terminator Salvation, Star Trek), passen ganz gut. Auch Willem Dafoe (Antichrist, Boondock Saints) als Detective Porter ist mal wieder eine tolle Ergänzung. Addison Timlin macht als Stormy optisch was her, dennoch ähnelt sie dem Charakter des Buches kaum. Die beiden Hauptprotagonisten jedoch schon. Yelchin bringt die Infantilität von Odd Thomas gut rüber und verfügt auch über den nötigen Charme.

Größte Schwäche in Sommers Inszenierung ist er Humor. Sie verändert die Geschichte enorm, lässt sie sogar manchmal ins lächerliche abdriften. Ein gradioser Fehler, aber typisch für diesen Regisseur. Das PG-13 Rating kann er gut, denn das größenteils debile US-Publikum liebt diese Art der Erzählweise. Ein paar Jokes, lockere Dialoge und das ganze dann schön im Voiceover erzählt. Ach schade man. Was soll das? Der Roman bietet so herrlich viele Facetten, düstere Sequenzen und Spannung aller erster Güte.

Im Auge des unvoreingenommen Betrachters fällt das alles nicht so sehr ins Gewicht, mich allerdings stört es ungemein. Die Darstellung der "Bodacks" ist in Ordnung. Zuviel darf man natürlich nicht verraten. Leser der Bücher wissen Bescheid, andere lernen Sie kennen.

Am Ende kann man nur hoffen, das für die weiteren 4 Bände ein anderer Regisseur verpflichtet wird. Ich hätte mir einen düsteren David Fincher gewünscht, aber ich hab ja nichts zu melden.

Fazit:

Standard-Verfilmung eines tollen Buches. Kurzweiliger Trip welcher durch die enorme Storystraffung an Drive und Spannung verliert. Kein Vergleich zur Vorlage.

6/10


Freitag, 22. November 2013

Only God Forgives (2013)


Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. - Albert Einstein

Mit Regisseur Nicolas Winding Refn ("Drive", "Walhalla Rising") ist es schon so eine Sache. Entweder man mag seine Filme, oder eben nicht. Mittlerweile ziehe ich beim kontroversen Dänen einige Parallelen zum Franzosen Gaspar Noé. Beide lieben es, den Zuschauer zu schocken, Gewalt realistisch und brutal darzustellen und einfach cineastische Barrieren zu brechen. Bislang ist und bleibt Noé's "Irreversible" der grausamste und erschreckendste Film, den ich je sah. Da kommt Winding Refn "noch" nicht heran. Er ist aber auf gutem Wege. Zumindest was das experimentelle und visuelle angeht, hat er zu Noé schon aufgeschlossen.

Bei "Only God Forgives" holte er wieder den zu einem brillianten Mimen entwickelten Ryan Gosling ("The Place beyond the Pines") hinzu. Nach dem Überraschungserfolg von "Drive", worin die schmale Brücke zwischen Liebesdrama und knallhartem Gewalt-Thriller ordentlich gemeistert wurde, arbeiten beide nun zum zweiten Mal zusammen. Wer "Drive" mochte, und hier in "Only God Forgives" ein ähnliches Film-Vehikel erwartet, wird absolut enttäuscht werden. Die beiden Filme haben außer dem Hauptdarsteller und dem Regisseur nur eines gemeinsam. Das grundliegende Thema: "Rache". War in "Drive" die Rollenverteilung von "Gut vs. Böse" klar, so schaut es in "Only God Forgives" anders aus. Häufig kritisiere ich bei Filmen, das sie kaum bis gar keine Symphatieträger haben. Keine Personen, an denen man sich festklammern, sie anfeuern oder mitfühlen kann. Das ist schon richtig, aber hier in Winding Refn's kleinem Meisterwerk ist das überhaupt nicht notwendig. Der Däne macht sich überhaupt nicht die Mühe, die Protagonisten zu erklären, sie uns verständlicher zu machen. Das einzige, was er vorgibt, ist eine einfache, dennoch funktionierende Handlung.
Die Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy (Tom Burke) haben in Bangkok einen Kickbox-Club. Jener ist aber nur die Fassade für ihre anderen Geschäfte, welche sich mit Drogenhandel betitelt. Als eines Abends Billy eine 16-jährige Prostituierte vergewaltigt und anschließend tötet, fällt die Polizei im Zimmer ein und hält Billy fest. Gefolgt vom zwielichtigen und gleichzeitig mysteriösen Polizeichef Chang (Vithaya Pansringarm) und dem Vater des Mädchens. Jener darf sich nun am Mörder seiner Tochter rächen. Die Gewaltspirale dreht sich, bis hin zum Exzess.

Zuviel darf man nicht verraten, das ist klar. Aber Revenger funktionieren in den meißten Fällen immer. Nun, "Only God Forgives" ist aber definitiv keiner, der in dieses Sub-Genre gepresst werden sollte. Kein Vergleich zu "Death Wish" oder "Deadly Revenge" - oder aber "The Brave One". Dieser hier ist eigenständig. Er ist anders. Anders, aufgrund dieser Bildsprache. Diese Musik, die Farben - hach, ich weiß auch nicht. Es passt einfach alles. Diese eindringliche Ruhe mit dem passenden Score. Die Kamera, die häufig sekunden- nein minutenlang auf einem Gesicht verharrt, um auch nur ein bischen was von Mimik aufzufangen, damit man in der Person lesen kann. Emotionen? Nein. Besonders Ryan Gosling performed so eiskalt, das selbst die Titanic nicht unbeschadet hätte an ihm vorbeikommen können. Selbstverständlich ist das nicht jedermans Geschmack, denn sogenanntes "Arthouse" - ich denke "Only God Forgives" kann man da einordnen - ist nunmal nicht nach jedem Gusto.

Fazit:

Starkes Kino mit formidablen Darstellern und passend dosierter, harter Gewalt. Die FSK Freigabe ab 16 ist ein purer Witz. Sicherlich im Gegensatz zu "Drive" nicht mit dessen Explizität, aber dennoch - und mit dem Gedanken der Selbstjustiz im Hinterkopf - ein eigentlicher KJ Kandidat. 

9/10


Mittwoch, 20. November 2013

Warrior (2011)

Selten schafft es ein Film mich emotional hinterm Hofen hervorzuholen. "Warrior" hat es inzwischen zum zweiten Mal geschafft. Ein grandioses Stück Zelluloid über zwei ungleiche Brüder, welche sich auf der MMA Matte wieder treffen.

Sicherlich ist die Story nicht innovativ, aber sie ist fesselnd und fantastisch gespielt. Tom Hardy (Bronson, The Dark Knight Rises) und Joel Edgerton (Acolytes, The Thing) liefern sich eine famose Schlacht im und vorallem neben dem Ring. Vor dem unausweichlichen Showdown, gibt es lediglich ein einziges Aufeinandertreffen. Dieses hat es aber in sich und spiegelt die Situation der Brüder enorm glaubwürdig wieder. Die Stärke dieses Dramas liegt mitunter auch am exzellenten Nebencast. Dort brilliert Nick Nolte (Nur 48 Stunden, Affliction) als trockener Säufer, welcher zugleich gehasster Vater und geschätzter Trainer von Hardy alias Tommy ist. Eigentich spielt Nolte sich selbst, denn genau dieser Alkoholiker und Choleriker war er Privat auch. Diesen Oscar hätte er bekommen müssen, genau wie damals Mickey Rourke für "The Wrestler". Ein Vergleich hinkt in meinen Augen überhaupt nicht. Auch Jennifer Morrison, Kevin Dunn und Frank Grillo zeigen hervorragende Leistungen. Diese schauspielerischen Performances heben den Film in Spähren, die es im Bereich Sportler-Drama bisher nur bei Clint Eastwood's Meilenstein "Million Dollar Baby" gab.

Die beiden Brüder könnten verschiedener kaum sein. Zum einen der traumatisierte Veteran und Kriegsheld wider Willen Tommy welcher von beider Vater trainiert wird und in der anderen Ecke Highschool Physik-Lehrer Brendan mit seinem besten Kumpel als Trainer im Gepäck. Letzterer ist verheiratet, hat zwei kleine Töchter aber enorme Schulden am Hals. Nun bietet sich in Atlantic City das neu eingeführte Mixed-Martial-Arts-Turnier "Sparta" an. Beide wollen teilnehmen, ohne vom Mitkampf des anderen zu wissen. Die 5.000.000$ Preisgeld sind für beide Anreiz. Tommy will der Witwe seines im Krieg gefallenen besten Freundes helfen, Brendan sein Leben mit Haus und Hof retten. Brendan ist der absolute Underdog der sich durch Technik, Ausdauer und unfassbare Nehmerqualitäten auszeichnet, Tommy ein Tier das ohne Rücksicht auf Verluste seinen Gegner niedermäht.

Auf gar keinen Fall kitschig, sondern hart bebildert und unfassbar authentisch gespielt, bietet "Warrior" einen 140 Minuten langen Filmabend, der wie im Flug vergeht. Die Fights sind mehr als Sehenswert und mit Kurt Angle als Koba ist ein echter MMA-Fighter dabei. Ein actiongeladener Martial-Arts-Trip, der extrem ans Herz geht.

Fazit:

Hochemotional, stark gespielt und klasse gefilmt. Glasklare 10/10


Freitag, 21. September 2012

Lockout (2012)


Als John Carpenter 1981 "Escape from New York" (in Deutschland eher bekannt als "Die Klapperschlange") auf die Menschheit losließ, brachte er einen meiner Lieblingsfilme in die Kinos. Mal ganz ehrlich, kaum ein Leinwand-Held erreicht heute die Coolness von Motherfucker Snake Plissken (Kurt Russell). Da Carpenter ohnehin einer meiner Regie-Favoriten ist, wurden mir bei Sichtung des "Lockout" Trailers einige Parallelen sofort klar. Da wurde mal ganz ordentlich bei der "Klapperschlange" geklaut. Aber, was will man sich denn heute noch beschweren? Lieber gut bei 80er Juwelen gezockt, als schlicht und einfach selbst gehandwerkelt. Viele, der heutigen Action-, oder Sci-Fi-Streifen taugen nur noch als Vorspiel für die gute alte Zeit. Schlussendlich greife ich ohnehin lieber in die Nostalgiekiste.


Wir schreiben hier also nicht das Jahr 1997, sondern 2079 - ein kleiner Zahlendreher, was solls. An einem Tisch sitzt nicht Snake, sondern Snow (Guy Pearce). Von rechts kommt desöfteren eine Gerade, die direkt am Kinn des späteren Helden landet. So beginnt meist ein guter Film. Den Platz von Lee Van Cleef hat hier Langral (Peter Stormare) übernommen. Snow wird des Mordes an seinem Partner beschuldigt und soll eingeknastet werden. Da Snow aber ein überaus talentierter Soldaten-Polizisten-Terroristen-Killer ist, kommt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Idee, Snow in das 80 Kilometer von der Erde entfernte Hochsicherheitsgefängnis "MS One" zu schicken, um seine frisch entführte Tochter zu retten. Das dort aber 500 Schwerstkriminelle nur auf "Frischfleisch" lauern, hat ihm keiner gesagt. 

Guy Pearce ist zwar nicht Kurt Russell, aber dennoch passt er enorm gut in die Rolle. Die One-Liner zünden fast alle, und auch der komplette "Snow" Charakter ist so herrlich 80er, das einem das Herz aufgeht. Ein guter Typ, nicht erst seit "L.A. Confidential" und "Memento". Maggie Grace ist niedlich, aber wirkt auf den Zuschauer nicht tough genug für ihre Rolle. Sie wirkt unnahbar und leicht arrogant. Peter Stormare ist die Bösewichtrolle wie auf den Leib geschnitten. Seine besten Auftritte hatte er als eben so einer. Die Killerbrigade, angeführt von Oberfreak Hydell (Joseph Gilgun) und seinem Bruder Alex (Vincent Regan), ist ordentlich. Harte Sequenzen gibt es genug, und besonders Gilgun kann sich schön austoben. 

Handwerktlich ist alles Blitzsauber. Hier hat Produzent Luc Besson gute Arbeit geleistet. Schöne Kamera, gute F/X und handgemachte Action. 

Sicherlich nicht der ganz große Wurf, und mit absoluter Sicherheit kein "Escape from New York", aber dennoch klasse Popcorn-Kino mit enormen Unterhaltungswert. 

Wertung: 7/10
Mit-Frau-Wertung: -
Kinder: Nein.


Donnerstag, 20. September 2012

Auf den Schwingen des Todes (1987)


Um den Film zu verstehen, bzw. seine Hintergründe nachhaltig in sich auf zu nehmen, sollte man die Grundgeschichte der Story schon kennen. Die "Irish Republican Army", oder kurz IRA, wurde 1922 von Michael Collins (1996 mit Liam Neeson in der Hauptrolle verfilmt) gegründet. Das schöne Irland ist seit dem Anglo-Irischen Krieg im Jahre 1922, in zwei Länder gespalten ist (ähnlich wie früher die BRD und die DDR), Nordirland (Protestantisch) und der Republik Irland (Katholisch). Aufgrund der verschiedenen religiösen Ansichten und der darauf aufgebauten Poltik, haben es die Länder bis heute nicht geschafft, Frieden zu schließen. Die Nordiren erkennen das Britische Gesetz und deren Politik nicht an. 


Aufgrund dieser religiösen Konflikte kam es immer wieder zu extrem brutalen Angriffen der Irischen Polizei, wobei Nordiren als Freiwild angesehen wurden. Vom 1967 bis Ende der 80er wurde Nordirland zum rechtsfreien Raum erklärt, sodass die IRA auf den Plan trat, um das Nordirische Volk zu verteidigen und zu beschützen. Somit kam es häufig zu terroristischen Anschlägen gegen britische und Irische Militärs und Polizei. Hauptsächlich mit Bombenattentaten und gezielten Hinrichtungen sorgte die IRA in diesem Zeitraum für Angst und Schrecken im britischen Empire. 

Hier im Film geht es nun um den IRA-Killer Michael Fallon (Mickey Rourke), welcher mit seinem Kampfgenossen Docherty (Liam Neeson) eine Militär-Patrouille in die Luft jagen will. Dabei kommt es zu einem schrecklichen Unglück, und anstatt der Armee wird ein vollbesetzter Schulbus zerstört. Alles Kinder kommen ums Leben. Fallon bekommt Gewissensbisse und entsagt dem Terror. Er flieht nach London, wo er von einem alten Weggefährten aufgespürt wird. Dieser soll ihm einen Pass für die Einreise in die USA besorgen. Doch nicht ohne Gegenleistung. Fallon soll einen letzten Mord für den Geschäftsmann Jack Meehan (Alan Bates) ausführen. Bei der "Arbeit" wird er vom Priester Da Costa (Bob Hoskins) ertappt und Fallon bekommt seine "Papiere" nicht, solange der Geistliche nicht das zeitliche gesegnet hat. Fallon weigert sich, und kommt beim "Vater" und seiner Schwester Anna (Sammi Davis) unter. Doch nicht nur Meehan trachtet Fallon nach dem Leben. Docherty hat den Auftrag seinen alten Kumpel auszuschalten, und auch die Polizei sucht den Ex-Terroristen...

Handwerklich und schauspielerisch absolut im oberen Bereich anzusiedeln, kommt "A Prayer for the Dying", so der Originaltitel, leider mehr als nur Bedeutungsschwanger daher. Die Religöse Komponente überwiegt die eigentlich Grundthematik zu sehr, sodass die eigentlich schwerwiegende und verwerfliche Last die auf Fallons Schultern lastet mehr und mehr ins Hintertreffen gerät. Sein Charakter wird zu sympathisch dargestellt. Er ist und bleibt ein fieser Massenmörder und nur weil er den Weg zu Gott findet, rechtfertigt das keinerlei Mitgefühl. Ebenso die Darstellung des Priesters Da Costa. Er entwickelt im Laufe des Filmes einen Aggressionsschub, welcher für einen Pater nicht unbedingt vorteilhaft ist. Jack Meehan ist mit seiner schleimigen Art jedoch ganz ordentlich besetzt. Auch sein Bruder ist an Abscheulichkeit nicht zu übertreffen. Wie oben schon erwähnt ist die darstellerische Perfomance bei keinem das Problem. Die Handlung hinkt überall und das Storytelling ist zäh wie Leder. Immer wieder verliert man sich in Geschwafel über "Gott-und-die-Welt". Das nimmt der Drive aus der im Prinzip interessanten Geschichte und wirkt auf Dauer einfach nur ermüdend. Wer hier auch einen Actionfilm erwartet, der wird gnadenlos enttäuscht. "Auf den Schwingen des Todes", auch ein sehr martialischer Titel, ist ein Drama, ja fast eine Tragödie. 
Die Bildsprache ist in Ordnung. Die Kamera mittelprächtig. Auch wurde die Blu Ray nicht im geringsten aufgewärtet. Von HD kann hier nicht die Rede sein. 

Ein durchschnittliches Endachtziger Verhikel, das mehr dem Glauben zuträglich ist, als den Taten der Protagonisten kritisch gegenüber zu stehen. Am Ende ist ein Film, welcher sich nicht im Geringsten im Hirn des Betrachters verankert. Schade drum, der Stoff ist mehr als gut.

Wertung: 5/10
Mit-Frau-Wertung: 5/10
Kinder: Nein.


Mittwoch, 19. September 2012

The Cabin in the Woods (2011)

Als ich den Trailer vor "Expendables 2" im Kino sah, dachte ich am Anfang noch an das lang angekündigte "Evil Dead" Remake. Alles passte optisch wunderbar ins Bild eines Neuaufgusses. Doch dann sah ich die "Drähte" und mir wurde klar, hier habe ich etwas anderes. Wohl wieder einen Standart-Teenie-Slasher-Streifen der Marke "Cabin Fever". Der Titel lässt ja schnell auf Eli Roth' unsägliches Machwerk schließen. Der Cast kam mir auch recht unbekannt vor, mal abgesehen von Chris "Thor" Hemsworth, der im Gegensatz zum Marvel-Vehikel recht schmächtig daher kommt. Kurze Haare aber knorriger Blick. Passt dennoch. Aber als ich etwas nach dem Film stöberte wurde mir meine Skepsis schnell erklärt. Der Film wurde schon im Jahre 2009 fertiggestellt aber erst Mitte 2012 in die Kinos gebracht. Nach Sichtung des Filmes frage ich mich schon, warum!?


Joss Whedon ("Cloverfield", "The Avengers") hat hier einen erfrischenden, humorvollen und mit klischeesspielenden Horror-Spass erschaffen. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Schon gleich am Anfang findet sich der geneigte Genre-Fan in diversen Vorreitern wieder. Da wird nicht nur "Texas Chainsaw Massacre" und "Freitag, der 13" gestreift, da wird auch tolldreist zitiert. Das passt aber wunderbar zum sarkastischen und lustigen Unterton des Films. Besonders die beiden "Bürohengste" sind an Witz und Charme kaum zu überbieten. Alleine schon für die "Kussszene" sollte es den Oscar oder wenigstens den Golden Globe geben. Ich muss mich hier ja leider zurückhalten, da, sollte ich zuviel Spoilern, der Spass am Ganzen völlig verloren gehen kann. Und das würde diesen famosen Horrorfilm völlig zunichte machen.


Gesagt sei hier nur, das alles was man erwartet anders kommt. Naja, vielleicht auch nicht - aber im Grunde schon. Es ist schwer in Worte zu fassen. Liebt man das Horror-Genre so wie ich, dann hat man mehr als nur 90 Minuten einwandfreien Filmspass. Somit lasse ich den Plot außen vor.

Die Tricks sind perfekt. Die Masken sind famos und die Anzahl der, ich nenne Sie mal "Bösewichter" ist so gigantisch, dass man mit offenem Mund da sitzt und einem das Wasser im obligatorischen Munde zusammen läuft. Hart ist der Streifen auch. Und das nicht zu knapp. Besonders im Finale darf der rote Lebenssaft fließen ohne Ende. 

Vielen, auch meiner Frau, stießt das (für mich) hervorragende Ende sauer auf. Ich konnte mir ein Grinsen absolut nicht verkneifen und die Phantasie spielt beim geneigten Cineasten verrückt. 

Für mich der bisherige Horror-Kracher 2012. 

Wertung: 8/10
Mit-Frau-Wertung: 3/10
Kinder: Nein.


DNA - Experiment des Wahnsinns (1996)


1896 erschien H.G. Wells phantastische Geschichte um den wahnsinnigen Wissenschaftler Dr. Moreau. Lange Zeit dauerte es nicht, das der Stoff auf die Leinwand projiziert wurde. 1932 verfilmte Erle C. Kenton das Buch mit mäßigem Erfolg. Jenes lag vielleicht auch daran, das Wells eher ein sehr pessimistisches und kritisches Buch erschuf, welches von Regisseur Kenton mehr zur dramatischen Romanze umfunktioniert wurde. Zudem wurde der Streifen von der Kirche als gotteslästerlich eingestuft und dementsprechend vernichtend kritisch publiziert. 


Don Taylor machte es dann 1977 anders. Er holte Burt Lancaster und Michael York ins Boot, um den Stoff erneut zu verfilmen. Ebenfalls ein grandioser Flop, welcher in Europa kaum Beachtung fand. Kein Wunder, handelt es sich hier auch um ein wahrlich haarsträubendes Meisterwerk der Trash-Kunst.


1996 kam Regie-Veteren John Frankenheimer auf den Trichter, die Geschichte erneut auf Film zu bannen. Er engagierte Marlon Brando, Val Kilmer (damals wirklich ein gefragter Mann) und den damaligen Neuling David Thewlis (Harry Potter und der Gefangene von Askaban). Der Stoff wurde im Vergleich zum Roman soweit verändert, das die Tochter des Dr. Moreau mit auftauchte. Am Rande sei aber erwähnt, das jene in Taylors 77er Version auch schon passierte. Hier aber verköpert von Fairuza Balk (American History X). Als "Tiere" wurden ebenso einige namhafte Gesellen verpflichtet. Unter den "Monstern" tummeln sich beispielsweise Temuera Morrison, Ron Perlman, Marc Dacascos und der deutsche Marco Hofschneider. 

Schlussendlich nützt ein guter Cast aber nichts, wenn das was rauskommt tierischer Murks ist. Die eigentlich sehr interessante Grundgeschichte (der des Dr. Frankenstein ja nun nicht wirklich unähnlich) verkommt zu einem Schaulaufen der Creature-Designer. Zugegeben, die Masken sind gut gelungen, ist aber eindeutig zu wenig. Die Charaktere sind komplett austauschbar. Keiner vermag die Rolle so klug und interessant zu bekleiden, das man auch nur im geringsten Mitgefühl oder Verständnis zeigt. Die Krönung ist der endlos transpirierende Fettsack Marlon Brando aka Dr. Moreau. Unfassbar was er hier abliefert. Denkt man nur an seine famosen Auftritte in "Apocalypse Now" oder "Der Pate" ist man schier schockiert und den Tränen nahe, was aus der damals 72-jährigen Leinwandlegende geworden ist. Kilmer agiert auch auf unterem Niveau. Seine Rolle des "Montgomery" erreicht niemals die Tiefe und den Grad der Romanperson. Schade drum. Thewlis overacted mehr als dass er positiv auffiele. Humor sucht man vergebens. Hier nimmt sich jede Person unendlich ernst. Ein weiterer Minuspunkt. Etwas Sarkasmus hätte dieser perfiden Geschichte durchaus gut getan.



Die schon erwähnten Creature-Desings sind ordentlich und die Jungs durften sich mal richtig austoben. Heute wirken viele der MakeUps allerdings etwas angestaubt. Was das Kamerateam hier eingefangen hat, ist dennoch positiv. Schöne Optik, schöne Insel. Leider wird zuviel weggeblendet bei blutigen Szenen. Einzig zerschundene Karnickel oder ein zerfetzter "Vater" sind zu sehen. Gut, die abgebissene Flosse ist nun nicht unbedingt das Highlight der Horror-Geschichte. 

Dennoch ist "DNA - Experiment des Wahnsinns" kein völliger Rohrkrepierer. Dazu ist das MakeUp und die Optik zu gut. Der Rest ist leider enormer Ausschuss. 

Wertung: 4/10
Mit-Frau-Bewertung: 2/10
Kinder: Nein.